Arbeitswelt

Im August 20 trat ich die Arbeitsstelle als Gruppenleitung in der Kita an, in der ich jetzt noch 70Prozent arbeite. Ich steckte viel Engagement und Euphorie in die neue, aufregende Arbeit. Ich erfuhr was es wirklich bedeutet die Verantwortung als ausgelernte Fachperson zu tragen. Im selben Winter absolvierte ich die Berufsbildner-Ausbildung und übernahm meine ersten Lernenden. Nach einem Jahr «voll Gas» bremsten mich Körper, Geist und Seele aus meinem Euphorie-Rausch. Ich begann zu hinterfragen und mir Klarheit zu schaffen. «Was gehört denn alles in meine Verantwortung…», «Kann ich alles, was ich mache in dieser Qualität verrichten, die ich mir vorstelle, ohne krank zu werden…». Ein sonnenklares «Nein», war die Antwort. Ich widmete meine Energie im zweiten Jahr gezielt den Kindern, den Eltern und dem Gruppenaufbau. Die Erfolgserlebnisse schenkten mir neue Motivation. Ich wollte authentisch führen, menschlich führen. Ich lernte, dass gesunde Führung bedeutet. Dies weckte mein Interesse an der Teamleitung. Ich begann von meinem «Eigenen» zu träumen und wollte mich als Führungsperson kennenlernen. Im September 2022 begann ich mit der Ausbildung zur Teamleiterin in sozial- und sozialmedizinischen Institutionen. Mein Arbeitgeber ermöglichte mir diese Weiterbildung. Gleichzeitig übernahm ich in der Kita die Funktion als stellvertretende Kita-Leitung. Durch die zusätzliche, neue Funktion hatte ich alltäglich die Möglichkeit, die Inhalte der Ausbildung gleich in der Praxis umzusetzen und auszuprobieren.

Ein sehr wertvoller Teil der Ausbildung war, dass die Wichtigkeit der Zusammenarbeit zwischen operativer und strategischer Führung immer wieder vor Augen geführt wurde. Ich trainierte durch die Ausbildung die Fähigkeit der Perspektivenübernahme in einer Führungsfunktion. Authentische Führung generell ist eine sehr anspruchsvolle, einflussreiche und wichtige Aufgabe. Ich fühlte mich gefordert und das mag ich. Gegen Ende der Ausbildung stellte ich mir eine Schlüsselfrage: « Was ist MIR wichtig…». Ich bemerkte einen Konflikt, der mich von der Funktion als stellvertretende Kita-Leitung wegführte. Mit viel neuem Bewusstsein, Sicherheit und vertieften, stabilen Beziehungen zu den Eltern begab ich mich nach erfolgreichem Abschluss der eidgenössischen Berufsprüfung für Teamleiter*innen in sozial- und sozialmedizinischen Institutionen mit reduziertem Pensum zurück auf unsere Gruppe. Meine Energie fliesst nun wieder rein in den Betreuungsalltag mit den Kindern, in die Elternarbeit und in die Teamarbeit auf meiner Gruppe. Es ist wunderschön und passt perfekt.
Ich habe in dieser Geschichte zwei wundervolle Freundschaften geschlossen. Eine dieser Freundinnen erfüllte mir einen meiner grössten Wünsche. Am 20.Oktober 2023 bekam sie ein Mädchen. Ich wurde Patentante. Ich pflege zu meiner Patentante nach wie vor eine wunderschöne Beziehung. Sie begleitet mich schon mein ganzes Leben. Sie begleitete mich durch alle Geschichten, die ich euch erzählt habe und daraus entstand eine Freundschaft. Ich sagte mir immer wieder: «Ich will einmal so ein Gotti für ein Kind sein, wie mein Gotti es für mich ist.»

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